Landschaften voller Leben

Gemeinsam für Biodiversität im Naturpark Leiser Berge

Mit dem Projekt „Landschaften voller Leben“ setzte der Naturpark Leiser Berge in den Jahren 2024–2025 gezielte Maßnahmen zum Schutz gefährdeter Arten und zur Wiederherstellung wertvoller Lebensräume um.

Das österreichweite Projekt wurde vom Verband der Naturparke Österreichs (VNÖ) koordiniert und über den Biodiversitätsfonds gefördert. Mehrere Naturparke wirkten daran mit – der Naturpark Leiser Berge brachte seine Erfahrung in zwei zentralen Arbeitspaketen ein:

  • dem Schutz gefährdeter Arten und Lebensräume sowie
  • der Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme.
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    Projekte
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    neugepflanzte Linden
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    gepflegte Kopfweiden
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    Hektar beweidete Fläche

„Landschaften voller Leben“ im Naturpark Leiser Berge

©Naturpark Leiser Berge | Franziska Denner

Pflege und Neupflanzung in der Ladendorfer Allee

Arbeitspaket: Schutz gefährdeter Arten und Lebensräume

Die Ladendorfer Allee ist weit mehr als eine Baumreihe entlang eines Weges. Seit rund 300 Jahren prägt sie die Landschaft und begleitet Generationen von Menschen. Gleichzeitig ist sie ein wertvoller Lebensraum: Alte Alleebäume bieten mit ihren Rissen, Höhlungen und abgestorbenen Bereichen zahlreichen Tierarten ein Zuhause – darunter seltene Insekten, Vögel und andere Baumhöhlenbewohner.

Solche alten Bäume sind jedoch auf Pflege angewiesen. Ohne gezielte Maßnahmen gehen sie durch Alter, Krankheiten oder Verkehrssicherheitsaspekte verloren. Ziel der Maßnahme im Projekt „Landschaften voller Leben“ war es daher, die Ladendorfer Allee als Natur- und Kulturerbe langfristig zu sichern.

Im Naturpark Leiser Berge wurden strukturreiche Altbäume fachgerecht gepflegt. Dabei ging es nicht darum, Bäume „perfekt“ zu machen, sondern ihre besondere Struktur zu erhalten. Gleichzeitig wurden junge Bäume nachgepflanzt, um frühzeitig für die nächste Generation der Allee vorzusorgen.

Begleitend dazu wurden Erhebungen zu Insekten und Vögeln durchgeführt sowie bestehende Literatur und frühere Untersuchungen ausgewertet. Zusammenfassend zeigt sich: Besonders artenreich sind weder komplett abgestorbene noch völlig „gesunde“ Bäume. Viele selten gewordene Tierarten sind auf alte, aber lebendige Bäume angewiesen – mit Brüchen, Mulm, Rissen und teils abgestorbenen Bereichen, oft kombiniert mit neuem Austrieb.

In diesem Zusammenhang ist oft von sogenannten „Urwaldrelikten“ die Rede. Gemeint sind Tierarten, die an sehr alte Baumstrukturen gebunden sind. Entgegen der verbreiteten Vorstellung brauchen sie jedoch keine unberührten Urwälder oder reines Totholz, sondern lebende Altbäume mit vielfältigen Strukturen, wie sie in historischen Alleen vorkommen. Gerade dieses Zusammenspiel von Wachstum und Zerfall macht die Ladendorfer Allee zu einem besonders wertvollen Lebensraum für spezialisierte Käfer und andere Tierarten.

©Naturpark Leiser Berge | Franziska Denner

Pflege von Kopfweiden

Arbeitspaket: Schutz gefährdeter Arten und Lebensräume

Kopfweiden gehören seit Jahrhunderten zur Kulturlandschaft des Weinviertels. Über Generationen hinweg wurden sie regelmäßig geschnitten, um Holz zu gewinnen: zum Flechten von Körben oder Zäunen oder Laub zum Verfüttern an die Tiere zu gewinnen. Dabei entstand ihre typische, knorrige Form mit kräftigem Stamm und ausladendem „Kopf“. Was früher alltägliche Nutzung war, ist heute selten geworden – und damit auch ein wertvoller Lebensraum gefährdet.

Gerade alte Kopfweiden sind für viele Tierarten von großer Bedeutung. Durch den regelmäßigen Schnitt und das hohe Alter der Bäume entwickeln sich im Stamm Höhlungen, Risse und Mulmbereiche. Diese Strukturen bieten Insekten, Vögeln und Fledermäusen Schutz, Nahrung und Platz zur Fortpflanzung. Ohne Pflege werden die Kronen jedoch zu schwer, Äste brechen ab und die Bäume verlieren ihre Stabilität oder gehen ganz verloren.

Im Rahmen des Projekts „Landschaften voller Leben“ wurden daher 131 Kopfweiden in mehreren Naturparkgemeinden fachgerecht gepflegt. Durch gezielten Rückschnitt blieb die charakteristische Kopfform erhalten und die Vitalität der Bäume wurde gestärkt. So können die Weiden weiterhin wachsen und ihre ökologische Funktion über viele Jahre erfüllen.

©Naturpark Leiser Berge | Franziska Denner

Beweidung der Steinbacher Heide

Arbeitspaket: Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme

Die Steinbacher Heide im Gemeindegebiet von Ernstbrunn ist ein besonderer Lebensraum im Naturpark Leiser Berge. Was heute als wertvoller Trockenrasen gilt, war über Jahrhunderte eine ganz selbstverständliche Form der Landnutzung: Gemeindeweide. Flächen, die für den Ackerbau zu karg waren, wurden durch Beweidung offen gehalten und sinnvoll genutzt. Diese Nutzung reicht jedoch noch weiter zurück: Lange bevor Menschen Nutztiere hielten, prägten große Pflanzenfresser offene Landschaften im Weinviertel.

Mit dem Rückgang der Beweidung begannen viele dieser Flächen zu verbuschen. Offene Grasländer gingen verloren und mit ihnen zahlreiche Pflanzen- und Tierarten. Ziel der Maßnahme im Projekt „Landschaften voller Leben“ war es daher, an diese alte Dynamik anzuknüpfen und den offenen Charakter der Steinbacher Heide dauerhaft zu sichern.

Im Jahr 2025 wurde die Fläche gezielt mit einer Schafherde des Naturparks beweidet. Der sanfte Verbiss hielt Gehölze zurück, ohne die Vegetation zu schädigen. Gleichzeitig verlängerte sich die Blühzeit vieler Pflanzen deutlich – ein großer Vorteil für Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten, die über Wochen hinweg Nahrung fanden.

Begleitend zur Beweidung wurden umfangreiche Erhebungen durchgeführt. Erfasst wurden Pflanzen, Vögel und insbesondere Insekten. Zusätzlich flossen Daten aus dem Insektencamp 2022 sowie Beobachtungen aus der Citizen-Science-App iNaturalist ein. Das Ergebnis zeigt eindrucksvoll, wie wirkungsvoll diese Form der Pflege ist: Auf nur 4,5 Hektar sind heute über 600 Arten bekannt. Die Steinbacher Heide ist damit ein Beispiel dafür, wie traditionelle Nutzung, moderne Naturschutzarbeit und wissenschaftliche Begleitung gemeinsam zu „Landschaften voller Leben“ führen.

Artenvielfalt unter der Lupe

So haben wir Daten erhoben und ausgewertet

Um zu verstehen, wie sich Pflegemaßnahmen auf die Natur auswirken, braucht es genaues Hinschauen. Im Projekt „Landschaften voller Leben“ wurden daher unterschiedliche Wege genutzt, um die Artenvielfalt auf den Projektflächen zu erfassen und vorhandenes Wissen zusammenzuführen.

Ein Teil der Daten wurde direkt im Gelände erhoben. Auf der Steinbacher Heide beispielsweise haben wir gezielt nach Insekten geforscht – unter anderem mit dem Wiesenkescher, mit dem Insekten aus der Vegetation schonend gesammelt werden können. Zusätzlich wurden Vögel und Vogelstimmen erhoben sowie Pflanzen bestimmt, um ein möglichst vollständiges Bild dieses Lebensraums zu erhalten. Ergänzt wurden diese Erhebungen durch frühere Untersuchungen, etwa aus dem Insektencamp 2022, sowie durch Beobachtungen aus der Citizen-Science-App iNaturalist. So konnten neue Daten mit bereits vorhandenem Wissen verknüpft und langfristige Entwicklungen besser eingeordnet werden.

Das Ergebnis ist beeindruckend: Auf der nur 4,5 Hektar großen Fläche der Steinbacher Heide sind bislang über 600 Arten bekannt. Darunter befinden sich 498 Insektenarten und 72 Pflanzenarten. Diese hohe Vielfalt zeigt deutlich, wie wertvoll offen gehaltene Trockenrasen für die Natur sind – und wie wirkungsvoll Beweidung als Form der Landschaftspflege sein kann.

Auch für die Ladendorfer Allee lagen bereits umfangreiche Daten aus früheren, teils publizierten Untersuchungen vor. Diese wurden gezielt herangezogen und ausgewertet. Der Schwerpunkt lag hier weniger auf der vollständigen Erfassung aller Arten, sondern auf einer zentralen Fragestellung: Welche Strukturen und welchen Zustand brauchen alte Bäume, damit seltene Käferarten dort leben können?

Untersucht wurde insbesondere, wie unterschiedliche Baumzustände – von vitalen Bäumen bis hin zu alten, teils abgestorbenen Exemplaren – mit dem Vorkommen bestimmter Arten zusammenhängen. Die Auswertung dieser bestehenden Daten liefert wichtige Hinweise für den Umgang mit alten Alleebäumen und zeigt, welche Strukturen besonders schützenswert sind.

Insektenerhebung im Naturpark Leiser Berge
©Naturpark Leiser Berge | Bernhard Zechner

Mit Unterstützung des Biodiversitätsfonds, finanziert von der Europäischen Union – NextGenerationEU und dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft.