Wilde Weiden - Landschaft im Wandel

Die Wilden Weiden sind ein zentraler Schwerpunkt im Naturpark Leiser Berge. Hier entsteht eine Landschaft, die sich weitgehend selbst entwickeln darf – begleitet von großen Pflanzenfressern und natürlichen Prozessen.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Solche Landschaften sind im Weinviertel nichts Neues. Einst prägten Wildpferde, Auerochsen und Wisente das Bild – sie hielten Flächen offen und sorgten für eine vielfältige Struktur. Später übernahmen Nutztiere wie Rinder, Pferde und – in jüngerer Zeit – auch Schafe diese Rolle.

Mit der Intensivierung der Landwirtschaft ab der Mitte des 20. Jahrhunderts verschwanden Weidetiere jedoch zunehmend aus der Landschaft. Viele Flächen wurden einheitlicher, Übergänge seltener – und damit auch die Vielfalt.

Die Wilden Weiden knüpfen heute wieder an diese Entwicklung an: Durch Beweidung, Bewegung und Veränderung entsteht Schritt für Schritt eine abwechslungsreiche Landschaft. Offene Flächen wechseln sich mit Gebüschen und einzelnen Bäumen ab – ein Mosaik, das vielen Pflanzen- und Tierarten Lebensraum bietet.

Vorgestern – als große Pflanzenfresser die Landschaft prägten

Lange bevor der Mensch die Landschaft intensiv nutzte, war das Weinviertel von einer dynamischen, halboffenen Landschaft geprägt. Wildpferde, Auerochsen und andere große Pflanzenfresser hielten Flächen offen, schufen Übergänge und sorgten für ständige Veränderung.

So entstand eine abwechslungsreiche Landschaft mit einem Nebeneinander von Grasland, Gebüschen und lichten Baumgruppen – ideale Bedingungen für eine hohe Vielfalt an Arten.

Wer tiefer in diese Zeit eintauchen möchte, findet in der Dauerausstellung im MAMUZ Schloss Asparn an der Zaya spannende Einblicke.

Gestern – Nutzung, die Landschaft formt

Über Jahrhunderte hinweg übernahm der Mensch die Rolle der großen Pflanzenfresser. Durch Beweidung, Mahd und kleinräumige Nutzung blieb die Landschaft offen und vielfältig.

Gerade die Leiser Berge – rund um Buschberg und Oberleiser Berg – wurden lange Zeit als Hutweiden genutzt. Weidetiere hielten die Flächen frei und schufen jene strukturreiche Landschaft, die wir heute noch in Resten erkennen können. Wacholder, Weißdorn und andere typische Arten zeugen bis heute von dieser Nutzung. Auch die Wacholderheiden sind ein sichtbares Erbe dieser Zeit und prägen als besondere Lebensräume den Naturpark.

Neben Rindern und Pferden spielten auch Schafe eine wichtige Rolle in der traditionellen Weidewirtschaft. Sie kamen mit den ersten bäuerlichen Kulturen nach Mitteleuropa und ergänzten die Nutzung der Landschaft über viele Jahrhunderte hinweg. In vielen Weinviertler Ortschaften erinnern zudem noch sogenannte Triftwege an diese Vergangenheit – Wege, über die das Vieh täglich zu den Weideflächen getrieben wurde.

Mit der Intensivierung der Landwirtschaft und dem Rückgang traditioneller Nutzungsformen gingen viele dieser Strukturen verloren. Flächen wurden einheitlicher, Übergänge seltener – und mit ihnen auch zahlreiche spezialisierte Arten.

Heute – Vielfalt durch Bewegung

Heute knüpfen die Wilden Weiden im Naturpark Leiser Berge an diese Dynamik an. Eine eigene Naturschutzherde, betreut von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Naturparks, übernimmt dabei die Rolle der großen Pflanzenfresser.

Zum Einsatz kommen robuste Rassen, die mit den teils kargen Standorten gut zurechtkommen und ganzjährig im Freien leben: Konikpferde als ursprüngliche, europaweit in Schutzgebieten eingesetzte Pferderasse, Tux-Zillertaler-Rinder aus langjähriger regionaler Herkunft sowie Hausesel, die als ökologische Stellvertreter für die einst in Mitteleuropa vorkommenden Wildesel gelten.

Ergänzt wird die Herde durch Wasserbüffel, die – weniger exotisch als oft vermutet – gezielt zur Pflege von Feuchtflächen in den Niederungen eingesetzt werden.

Durch ihr Zusammenspiel entsteht eine vielfältige, lebendige Landschaft: Offene Bereiche, blütenreiche Flächen, Gebüsche und strukturreiche Übergänge wechseln einander ab. Die Tiere gestalten die Landschaft nicht gezielt – sie folgen ihren natürlichen Verhaltensweisen. Genau daraus entsteht jene Dynamik, die den Charakter der Wilden Weiden ausmacht.

Für kleinere, schwer zugängliche Flächen kommen zusätzlich Schafe zum Einsatz, die punktuell zur Pflege beitragen.

So funktionieren die Wilden Weiden

Die Beweidung im Naturpark folgt keinem starren Schema, sondern orientiert sich an den Bedürfnissen der Flächen und der Tiere.

Von Frühling bis Herbst unterwegs
Ab März oder April kommen die unterschiedlichen Herden in ihre Einsatzgebiete. Diese Flächen sind jeweils temporär mit Elektrozäunen gesichert. Nach der Beweidung werden die Zäune wieder entfernt – oft bleibt nur an den Spuren der Tiere erkennbar, dass hier Beweidung stattgefunden hat.

Im Laufe des Jahres wechseln die Tiere mehrmals ihre Standorte. Je nach Herde und Aufgabe kommen sie auf unterschiedlichen Flächen zum Einsatz – von Trockenrasen und Wacholderheiden über lichte Waldweiden bis hin zu Feuchtgebieten.

Unterwegs für die Landschaft
Durch dieses gezielte „Wandern“ entsteht eine abwechslungsreiche Nutzung: Manche Bereiche werden stärker beweidet, andere bleiben länger unberührt. Genau diese Dynamik sorgt für die Vielfalt der Landschaft.

Winterruhe in Ernstbrunn
Mit dem Wintereinbruch kehren die Tiere in ihr Winterquartier in Ernstbrunn zurück. Auch dort leben sie überwiegend im Freien. Dank ihres dichten Winterfells – das auch Rinder und Pferde ausbilden – sind sie gut an die kalte Jahreszeit angepasst.

Im Winterquartier stehen zusätzliche Unterstände zur Verfügung, und bei Bedarf werden die Tiere mit Heu versorgt.

Begegnungen mit den Tieren der "Wilden Weiden"

Vielleicht begegnen Sie unseren Weidetieren bei Ihrer Wanderung – hier finden Sie wichtige Hinweise: